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Ausbildungspakt: Verhalten optimistisch
Die Vereinigung der IHK NRW jubelt: "Das Soll aus dem Ausbildungspakt ist übererfüllt." Doch immer noch sind in NRW 5.500 Jugendliche ohne Lehrstelle. "Die Jugendlichen und die Wirtschaft müssen sich bewegen", sagte der Sprecher der Landesarbeitsagentur.
Stolz verkündete Martina Ernst von der nordrhein-westfälischen Industrie- und Handelskammer (IHK) am Freitag (03.12.04): "Wir haben in Nordrhein-Westfalen über 11.000 neue Ausbildungsplätze. Davon gehen knapp 7.000 auf die gezielte Akquise durch die IHK zurück." Damit sind die Anforderungen des Ausbildungspaktes übererfüllt, der für NRW 6.000 neue Ausbildungsplätze gefordert hatte. Nach Auskunft der IHK NRW gibt es 5.500 neue Ausbildungs-Betriebe im Land. Im Gespräch mit wdr.de räumte Martina Ernst allerdings ein, "das heißt nicht, dass nicht andere Betriebe weggebrochen sind". Die Zahlen geben also nur Aufschluss darüber, wie viele Lehrstellen wirklich neu hinzugekommen sind, aber nicht, wie viele zusätzlich zu den bestehenden geschaffen wurden. Der Ausbildungspakt verpflichtete die Wirtschaft nämlich zu "neuen" und nicht zu "zusätzlichen" Ausbildungsplätzen.
Arbeitsagentur: 5.500 Jugendliche noch ohne Lehrstelle
Der Sprecher der Landesarbeitsagentur zeigte sich verhalten optimistisch: "Wir haben Hoffnung, dass noch viele junge Menschen in NRW eine Ausbildungsstelle bekommen werden", sagte Werner Marquis. Am Freitag (03.12.04) legte die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit die aktuelle Statistik für den Ausbildungsmarkt vor: Danach konnten für knapp 4.000 Jugendliche, die zum Beginn des Ausbildungsjahres am 01.10.04 noch unversorgt waren, eine Lösung gefunden werden. Dazu gehören berufsvorbereitende Maßnahmen, Langzeitpraktika oder auch eine Fortsetzung der Schulausbildung. Es bleiben damit in NRW noch rund 5.500 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz.
Dass Angebot und Nachfrage nicht immer zusammenpassen, hat viele Gründe: "Die Mobilität bei den jungen Leuten ist sehr schwierig und sie haben natürlich ihre Neigungen und Wünsche", sagte Werner Marquis von der Landesarbeitsagentur. Wer eine Lehre als Bankkaufmann in Bonn machen will, geht eben nicht leichten Herzens nach Arnsberg, um Metzger zu werden. Effektiv fehlten aber auch noch Ausbildungsplatzangebote. Darum appelliert Marquis: "Die Jugendlichen und die Wirtschaft müssen sich bewegen." Bei allem Verständnis dafür, dass ein Arbeitgeber topqualifizierte Kräfte suche, fordert Marquis: "Immer nur Bestenauslese, das geht halt nicht."
Bundesweite Bilanz des Ausbildungspaktes
In Berlin zogen am Freitag Wirtschaftsvertreter und Bundesarbeitsminister Clement eine bundesweite Bilanz des Ausbildungspaktes. Nach Angaben von DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun hat die Wirtschaft ihr Plansoll übererfüllt. Insgesamt seien 53.000 neue Ausbildungsplätze geschaffen worden, 38.000 davon entfielen auf den Bereich der IHK. Die Vorgabe lag bei 30.000. Da aber zugleich viele Betriebe und damit Ausbildungsplätze verloren gingen, bleibe unter dem Strich bei Industrie und Handwerk ein Zuwachs von nur 15.000 Ausbildungsplätzen. Nach Angaben der Bündnispartner fehlen zur Zeit 17.500 Ausbildungs-Stellen.
Im Sommer war der "Nationale Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs" als Kompromiss zwischen der Bundesregierung und der Wirtschaft geschlossen worden. Damit wurde eine von der Bundesregierung geplante Ausbildungsabgabe verhindert.
Quelle: wdr.de, (http://www.wdr.de/) 03/12/2004
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