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Mädchen gehen eigene Wege
In einer Arztpraxis am Empfangstresen zu sitzen oder im Büro die Ablage zu sortieren, ist nicht unbedingt der Traumberuf der meisten Schülerinnen. Das Klischee trifft trotzdem zu. Denn Mädchen starten besonders häufig eine Lehre zur Bürokauffrau oder Arzt
Manche Dinge passieren einfach nicht. Zum Beispiel, dass die Sprechstundenhilfe, die beim Arzt den Blutdruck misst, den Vornamen Andreas trägt. Eher schon heißt sie Andrea. Arzthelferin ist traditionell ein Frauenberuf – woran sich wohl so schnell nichts ändern wird: Von 100 jungen Leuten, die sich im Jahr 2003 für diese Ausbildung entschieden, waren 99 Mädchen.
Dies ist nicht der einzige Beruf, der ein solch typisches Bild abgibt – bei der Wahl der Lehre herrscht meist klare Geschlechtertrennung. So zieht es junge Frauen vornehmlich in Dienstleistungsberufe. Knapp sieben von zehn Auszubildenden sind hier weiblich. Besonders beliebt sind kaufmännische und soziale Tätigkeiten mit Bezug zu anderen Menschen. Dazu zählen neben der Arzthelferinnen-Ausbildung zum Beispiel die Lehre zur pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten, Fachverkäuferin, Friseurin, Anwaltsgehilfin oder Maskenbildnerin.
In den Produktionsberufen ist dagegen nur einer von zehn Azubis weiblich. Die zahlreichen Werbemaßnahmen, die Frauen diese Tätigkeiten schmackhaft machen sollen, haben bislang anscheinend kaum gefruchtet. Die meisten Mädchen zeigen einen Hang zum künstlerisch angehauchten Handwerk und wollen Goldschmiedin, Modenäherin, Raumausstatterin, Konditorin oder Vergolderin werden. Weiterhin Männerdomänen sind der Metallbauer, der Gas- und Wasserinstallateur, der Elektroinstallateur und der Kfz-Mechatroniker. Dort findet sich unter 100 Lehrlingen manchmal keine einzige Frau.
Auch die Landwirtschaft ist weiter fest in männlicher Hand. Der Anteil der weiblichen Lehrlinge auf dem Bauernhof liegt unteBerufsausbildungr 30 Prozent. Höher ist die Frauendichte hingegen in einigen technischen Ausbildungen; unter den Biologie-, Chemie- oder Textillaboranten sind die Mädchen mit 59 Prozent sogar in der Überzahl. Der am häufigsten gewählte Ausbildungsberuf des Jahres 2003 war beim weiblichen Nachwuchs die Bürokauffrau. Rund 17.500 Mädchen unterschrieben dafür einen Lehrvertrag – gut 7 Prozent aller Ausbildungsanfängerinnen. Kaum weniger lockte die Ladys das Arbeitsleben als Einzelhandelskauffrau, Arzthelferin oder Friseurin.
Fast scheint es, als herrsche ein wenig Phantasiemangel bei der Jobwahl (Grafik):
Mehr als die Hälfte der knapp 240.000 weiblichen Neu-Azubis stürzte sich 2003 auf gerade zehn von insgesamt 360 Ausbildungsberufen.
Unter den Top Ten rangieren außerdem die Zahnmedizinische Fachangestellte, die Industriekauffrau, die Fachverkäuferin im Nahrungsmittelhandwerk, die Kauffrau für Bürokommunikation, die Verkäuferin und die Hotelfachfrau.
Möglicherweise lebt die weibliche Spezies ihre berufliche Kreativität anderswo aus. So lag der Frauenanteil an den Ausbildungsstartern im Jahr 2003 ebenso wie in den zwölf Jahren zuvor nur bei rund 42 Prozent. Unter allen Auszubildenden sind sogar lediglich 41 Prozent weiblich, weil Frauen seltener durch die Prüfung fallen als ihre männlichen Pendants und darüber hinaus häufiger die Ausbildungszeit aufgrund ihrer höheren Schulabschlüsse verkürzen können.
Diese wiederum eröffnen ihnen ohnehin eine Vielzahl von Karriere- und Ausbildungsalternativen: Mädchen besuchen oft eine weiterführende Schule, beginnen eine schulische Berufsausbildung wie beispielsweise die zur Medizinisch-technischen Assistentin, streben eine Laufbahn im öffentlichen Dienst an oder entscheiden sich für ein Studium.
Mit den höheren Schulabschlüssen und ihrem entsprechend höheren Alter dürfte es auch zusammenhängen, dass die Vertreterinnen des schönen Geschlechts bei der Suche nach einer geeigneten Ausbildungsmöglichkeit eine größere Mobilität an den Tag legen als die Herren der Schöpfung. So sind doppelt so viele Mädchen wie Jungen bereit, für die gewünschte Lehrstelle umzuziehen.
Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln, (http://www.iwkoeln.de) 07/04/2005
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