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Nach der Pflicht kommt die Kür
Mehr als 70.000 Lehrlinge geben sich derzeit nicht mehr mit dem Ausbildungspflichtprogramm in Betrieb und Berufsschule zufrieden. Sie büffeln – oft auch nach Feierabend – Fremdsprachen, belegen BWL- oder EDV-Kurse oder gehen für eine Zeitlang ins Ausland,
Relativ unbemerkt von der Öffentlichkeit hat die duale Berufsausbildung in den vergangenen Jahren aufgerüstet: In vielen Bereichen geht sie weit über die Mindestanforderungen der Ausbildungsordnungen hinaus. Die zusätzlichen Qualifikationen werden entweder von den Betrieben selbst, Berufsschulen, Kammern, Akademien oder privaten Bildungseinrichtungen vermittelt. Wenn Kosten entstehen, werden sie zumeist von den Ausbildungsbetrieben getragen – die Lehrlinge erhalten also ihre reguläre Ausbildungsvergütung; und auch die Schulungskosten wie Seminargebühren übernimmt die Firma. Ein Eigenbeitrag der Lehrlinge ist die große Ausnahme. Wobei sich die Hälfte der Lehrgänge auf nur zwei Gebiete beschränkt (Grafik):
* Ein Drittel der Auszubildenden, die solche Angebote wahrnehmen, erlernt eine Fremdsprache oder absolviert einen Auslandsaufenthalt, macht sich also fit für die globale Geschäftswelt.
* Jeder fünfte Azubi erlernt zusätzliche kaufmännische oder betriebswirtschaftliche Inhalte.
Diese Verteilung ist jedoch nicht auf Dauer angelegt: Bei den Zusatzqualifikationen ist ein Kommen und Gehen festzustellen. Zum einen fallen Seminare weg, weil Inhalte in die reguläre Ausbildung aufgenommen wurden. Zum anderen machen technische Entwicklungen oft eine Neujustierung des Angebots notwendig. Vier Trends allerdings dürften langfristig sein:
1. Mehr Studienberechtigungen. Während der Berufsausbildung wird inzwischen ein Drittel aller Hochschulzugangsberechtigungen erworben – die meisten davon in vollzeitschulischen Bildungsgängen im Anschluss an eine Lehre.
Erst 2 Prozent der Auszubildenden mit Realschulabschluss erwerben das Abitur oder die Fachhochschulreife parallel zur Ausbildung.
Hier fehlen Ressourcen an den Berufsschulen, die von den Ländern nicht bereitgestellt werden.
2. Engere Verzahnung von Aus- und Weiterbildung. Immer öfter werden Weiterbildungsinhalte wie Managementkenntnisse schon während der Berufsausbildung vermittelt. Derzeit beinhalten 17 Prozent aller Zusatzqualifikationen einen Weiterbildungsabschluss – oder die erworbenen Kenntnisse werden später auf eine anerkannte Fortbildung angerechnet.
Knapp 8.300 Auszubildende erklimmen so mit ihrem Ausbildungsabschluss schon die erste Stufe der Karriereleiter.
3. Internationalisierung. Ohne Fremdsprachenkenntnisse und Auslandserfahrungen kommen im Zeitalter der Globalisierung auch Fachkräfte nicht mehr zurecht. Immer öfter werden deshalb die erforderlichen Kenntnisse durch Zusatzqualifikationen vermittelt. Über 11.000 Auszubildende werden jährlich in internationalen Austauschprogrammen und Ausbildungsprojekten gefördert. Insofern ist es nur konsequent, dass Ausbildungsabschnitte, die im Ausland durchlaufen werden, durch das neue Berufsbildungsgesetz anerkannt werden.
Die Bundesländer müssen jedoch ihre Hausaufgaben erst noch machen: Denn lediglich ein Viertel der Auszubildenden erhält derzeit in der Berufsschule regulären Fremdsprachenunterricht. Im Zuge der Neuordnung von Ausbildungsberufen sollten deshalb Fremdsprachen stärker in die Rahmenlehrpläne der Berufsschulen integriert werden.
4. Boom bei dualen Studiengängen. Ausbildungspraxis und Studium kombinieren inzwischen über 40.000 Jugendliche. Die Interessenten können zwischen mehr als 500 verschiedenen dualen Studienmodellen wählen. Vor allem die privaten Fachhochschulen haben diesen Trend beschleunigt.
Die Karrierechancen für Absolventen sind gut, immer mehr Abiturienten wetteifern deshalb um die knappen Plätze. Um das Angebot in Zukunft zu steigern, sind vor allem staatliche Hochschulen gefragt, mit den Unternehmen entsprechende Studiengänge zu entwickeln.
Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln, (http://www.iwkoeln.de) 28/04/2005
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