Olympioniken zum Thema Leistung und Erfolg: Christina Benecke
Christina Benecke: Ich habe relativ spät angefangen mit dem Leistungssport und bin da eigentlich so mehr oder minder hineingerutscht. Meine Motivation war immer, für das was ich mache alles zu geben, und dann hat sich das bei mir so entwickelt daß ich immer besser wurde. Dann habe ich das zu meinem Beruf gemacht, aber es war kein geplanter Werdegang. Ich habe einfach probiert, alles zu geben, und dann ging es so Schritt für Schritt voran.
Startblock: In diesem Zusammenhang, würden Sie sagen daß sich die ersten Erfolge relativ leicht eingestellt haben, oder haben Sie dafür auch viel dafür tun müssen?
Christina Benecke: Also ich musste schon recht hart arbeiten, aber mir war gar nicht so recht bewußt, wie weit ich kommen kann. Ich habe mich sehr gewundert als auf einmal der Bundestrainer angerufen hat, da bin ich fast aus allen Wolken gefallen. Es war ja gar nicht geplant von mir, daß ich in die Nationalmannschaft komme. Aber durch Training und Fleiß wurde ich dementsprechend belohnt.
Startblock: Wo Sie gerade das Training ansprechen, würden Sie sagen daß Sie zumindest für eine Zeit gegenüber Ihren Freunden und Ihrer Famile auf vieles verzichten mussten?
Christina Benecke: Also, ich mußte natürlich auf ganz viele Abende verzichten, wenn meine Freunde sich getroffen haben mußte ich zum Training. Das natürlich speziell am Wochenende, weil dort immer die Turniere oder die Spiele sind. Da kann ich nicht am Tag vorher weggehen, es geht da also schon sehr viel Zeit für den Sport drauf. Man hat's aber dann auch gerne gemacht, weil wenn man dann mal einen Erfolg hat und einen Sieg eingefahren hat, das war natürlich toll. Die wenige freie Zeit, die man dann hatte, hat man dann umso intensiver genutzt.
Startblock: Sie haben schon angesprochen, daß besonders die sportlichen Erfolge Sie motiviert haben. Was hat sonst noch dazu beigetragen, daß Sie durchgehalten haben?
Christina Benecke: Man braucht auch sicherlich Unterstützung und Verständnis von vielen Freunden. Man wird aber fast immer belohnt wenn man die Erfolge sieht. Beim Sport sind sowieso Niederlagen und Trauer aber auch Freude so dicht beieinander, das erfährt man glaube ich so auch in keiner anderen Lebenssituation.
Startblock: Das heißt, Sie motivieren sich dann auch so, daß nach einer Niederlage auch immer wieder ein Erfolg steht?
Christina Benecke: Genau, man möchte ja auf jeden Fall nicht mit so einer Niederlage aufhören. Obwohl man manchmal nach einem verlorenen Spiel denkt ‚Wozu mache ich das überhaupt?', ‚Habe ich umsonst trainiert?'. Aber man schaut halt immer weiter, und nach dem Spiel ist vor dem Spiel, und dies ist dann die ständige Motivation.
Startblock: Sie haben ja bereits den Fleiß, die investierte Zeit und den Wechsel von Erfolg und Niederlage beschrieben. Glauben Sie trotzdem, daß man über Nacht zum Star werden kann?
Christina Benecke: Das gibt es vielleicht in einigen Fällen, aber es ist sehr selten. Also man muß sich seinen Erfolg erarbeiten, und diese Erfolge dann auch immer wieder bestätigen. Nur weil man einmal etwas gemacht hat und dann in den Medien präsent ist, kann man sich noch lange nicht auf seinem Ruhm ausruhen. Es geht dann auch ganz schnell, daß man dann wieder weg vom Fenster ist.
Startblock: Eine sicherere Variante als das Träumen vom Starsein ist sicherlich das Thema Berufsausbildung. Glauben Sie, daß heutzutage eine solide Ausbildung wichtig ist und auch immer wichtiger wird?
Christina Benecke: Ich glaube ja, und ich habe damals auch parallel eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht, und mich hat's beruhigt und beruhigt es immer noch. Wenn mal etwas passiert - und gerade im Sport kann es ja mal durch eine Verletzung ganz schnell zu Ende gehen - dann beruhigt es wenn man eine Ausbildung hat weil es da ja etwas gibt was man in der Hinterhand hat. Ich halte es für sehr wichtig daß man da ein zweites Standbein hat. Ich habe einige Jahr in meinem Beruf parallel zum Sport gearbeitet. Das ist zwar anstrengend, wenn man morgens um 7.00h aufsteht zum Laufen, und dann zur Arbeit und dann zum Training, aber ich hab trotzdem den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft. Ich kenne auch viele, die nichts in der Hinterhand haben, und wenn da mal ein Kreuzbandriß oder ähnliches kommt dann stehen die dann da und wissen nicht, was sie machen sollen.
Startblock: Sie haben es also geschafft, Ausbildung, Leistungssport und Freunde und Familie unter einen Hut zu bringen. Was würden Sie denn jungen Menschen raten, die vor dem Eintritt in das Berufsleben stehen, um vielleicht ähnlich erfolgreich zu sein?
Christina Benecke: Gerade wenn sie daran interessiert sind, Leistungssport zu machen, würde ich ihnen raten, dies zu tun weil Sport bringt und gibt einem unheimlich viel. Aber man sollte auch das normale Leben nicht ganz vergessen, sprich, dann doch zwei oder drei Jahre doppelgleisig fahren um dann abzuwägen, wo es besser Chancen gibt, im Beruf oder im Sport. In jedem Fall ist etwas solides nebenbei sehr wichtig.
Startblock: Frau Benecke, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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