Olympioniken zum Thema Leistung und Erfolg: Angela Brodtka
Angela Brodtka: Ich kann nicht sagen, dass ich es leicht gehabt habe. Ich habe ja durch den Bundesgrenzschutz und durch die Sportförderung meine Ausbildung fertigstellen können. Das war mir natürlich auch sehr wichtig, also ohne die Ausbildung hätte ich den ganzen Sport auch gar nicht so machen können.
Startblock: Könnten Sie einmal beschreiben, wie Sie damals zu Ihrem Sport gekommen sind? Haben Sie angefangen mit dem Radfahren, und sind später so gut geworden, dass Sie mit dem Leistungssport angefangen haben?
Angela Brodtka: Ich habe schon ganz früh - mit neun Jahren - angefangen. Und mit fünfzehn hatte ich dann schon den ersten deutschen Meistertitel. Dann kam die Cottbusser Sportschule auf mich zu, ob ich denn ins Sportinternat kommen möchte, um das ganze professionell machen zu können. Dort habe ich auch das Abitur gemacht und nebenbei immer ganz gezielt mit Trainern trainiert und alles abgestimmt. Nach dem Abi gab es dann im Prinzip die Möglichkeit, eine Ausbildung bei der Sparkasse oder beim Bundesgrenzschutz zu machen. Das sicherste war für mich dann der BGS und da habe ich mich beworben. Da musste ich dann logischerweise auch Erfolge aufweisen und auch noch eine Menge Aufnahmetest machen. Und als ich dann angenommen war, wusste ich, daß ich jetzt vier Jahre lang abgesichert bin. Man kann vier Jahre lang den Sport noch ausüben und gefördert werden und danach kann man ja immer noch entscheiden, was man will.
Startblock: Wie haben Sie das unter einen Hut bekommen? Wie sah ihr beispielsweise Ihr Tagesablauf aus?
Angela Brodtka: Das setzt sich so zusammen, dass vier Monate im Winter die Ausbildung statt findet. Es ist dann von 7h - 16h Dienst, und danach kann man dann trainieren. Also ist das dann im Prinzip vier Monate lang richtig Stress. Meistens war ich dann um 20h oder 21h zu Hause, und ich musste danach noch lernen. Das war also Stress pur. Aber man wusste, das sind vier Monate, die übersteht man. Man gibt sein bestes und danach hat man dann acht Monate im Jahr, wo man sich nur auf das Radfahren konzentrieren brauchte. Dann haben wir uns zweimal in der Woche getroffen beim BGS, um so ein bisschen mal den Stoff aufzufrischen.
Startblock: Das klingt ja wirklich nach einem wahren Luxus, also daß man acht Monate quasi am Stück trainieren kann.
Angela Brodka: Ja, das ging also dann vier Jahre. Letzen März bin ich fertig geworden mit der Ausbildung und habe während der Prüfungszeiten meine ersten Wettkämpfe gehabt. Das war dann natürlich auch wieder ganz schön problematisch. Aber wenn man ein Ziel vor sich hat, dann kriegt man das auch alles hin
Startblock: Haben Sie im Nachhinein das Gefühl, daß Sie auf Vieles haben verzichten müssen?
Angela Brodtka: Ja, auf jeden Fall. Ich kann nicht sagen, daß ich jeden Tag etwas unternehmen und weggehen kann. Ich gehe mit Sicherheit auch gerne weg und ich feiere auch gerne mit meinen Freunden. Ich muss aber jetzt immer sehen, wann und wie ich das reinbringe. Im Winter habe ich schon mal die Zeit in der ich weggehen kann. Aber immer Sommer ist das schon fast tabu.
Startblock: Wie können Sie sich dann motivieren, daß Sie dann jedes Mal morgens früh wieder auf's Rad steigen?
Angela Brodtka: Ich brauche mich dazu nicht motivieren. Also das ist mein Leben, das Radfahren ist für mich wie ein Beruf geworden. So wie andere morgens früh aufstehen, um zur Arbeit zu fahren, muss ich morgens auf's Rad steigen, das ist für mich das Gleiche. Sicher fahren manche auch mal weniger gerne zur Arbeit, aber die wissen, wofür Sie es machen. So geht es mir eben auch. Es gibt Tage, da ist es für mich auch schwieriger, wo ich denke, oh Gott, ich habe jetzt gar keine Lust. Und dann gibt es aber auch Tage, wo ich dann richtig motiviert losfahre und wieder gerne aufstehe, und es mir Freude macht. Die Ergebnisse spiegeln das ja dann auch wieder, also den Erfolg den man dann aus der ganzen Schinderei hat.
Startblock: Bei Sportlerinnen im Hochleistungssport schwingt doch bestimmt die Angst mit, sich einmal verletzen zu können und für den Sport auszufallen. Gibt Ihnen Sicherheit, zu wissen, daß Sie die Ausbildung gemacht haben?
Angela Brodtke: Ja, auf jeden Fall. Das war auch der Punkt, weswegen ich mich letztlich für den BGS entschieden habe, weil ich hätte ja auch sagen können, ich mache jetzt einfach nur Profi. Das wäre ja auch möglich gewesen. Es kann sein, das ich noch zehn Jahre Rad fahre, es kann sein, das ich nur noch fünf Jahre fahre. Aber mit 32 mal anfangen, sich um einen Job zu kümmern, ich glaube das wäre dann nicht so sinnvoll. Deshalb war mir das auch so wichtig mit dem BGS.
Startblock: Welchen Rat würden Sie jungen Menschen mitgeben, die an der Schwelle stehen zum Beruf, und zur Ausbildung stehen? Was sollten sie beherzigen?
Angela Brodtka: Am Wichtigsten ist es, daß man sich viele verschiedene Dinge anguckt, bevor man sich entscheidet. Manche werden auch in irgendwas hineingedrängt, das sie eigentlich gar nicht wirklich wollen. Das kommt dann vielleicht erst später heraus und endet meistens damit, daß sie dann irgendwie abbrechen oder aufhören. Es ist ja auch schwer, etwas zu finden, was man wirklich will, aber ich bin eigentlich immer diejenige die sagt, gebt bloß nicht auf, sondern kämpft Euch da jetzt durch, bis das abgeschlossen ist. Also ich könnte das nicht, irgendetwas abbrechen, das nicht beendet ist.
Startblock: Frau Brodtka, das war ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das Gespräch, und wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und Gesundheit.
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