Olympioniken zum Thema Leistung und Erfolg: Michael Fellmann
Michael Fellmann: Ja, aber im Moment bin ich Soldat.
Startblock: Ja, da sind wir schon mitten im Interview. Sie haben es also hinbekommen, beides unter einen Hut zu bringen. Sie sind offensichtlich in ihrem Sport so gut gewesen, daß Sie Segeln als Leistungssport gemacht und auch noch Ihre Ausbildung absolviert haben. Als sie noch ganz klein waren, hatten Sie da einen Traumberuf?
Michael Fellmann: Eigentlich wollte ich Musiker werden. Das liegt auch in der Familie. Mein Opa war Musiklehrer und jeder der Kinder der Familie meines Vaters konnte ein Instrument spielen. Das liegt einem dann auch im Blut. Ich wollte dann eigentlich immer Richtung Musik irgendetwas lernen.
Startblock: Wie kamen Sie dann zum Segeln?
Michael Fellmann: Ein guter Freund meines Vaters war also auch Segler und war in Urlauben oft mit dabei. Irgendwann hatten wir dann mal ein Ruderboot und dann hatten wir mal die Idee, da ein Segel draufzubauen. Und 1980 habe ich dann zum ersten Mal bei einer Regatta an der Adria teilgenommen und mitgesegelt und dann auch noch gleich gewonnen. Ja, und dann hat sich das so fortgesetzt. 1985 habe ich dann meine Schule beendet, und die Lehre angefangen.
Startblock: Wie war das damals in der Phase, als es darum ging sich zu entscheiden, wie es nach der Schule weiter geht. Wie sind Sie da unterstützt worden? Haben Lehrer Ihnen Unterstützung gegeben, haben sie irgendwo hineinschnuppern können, oder gab es irgendwelche Informationsveranstaltungen?
Michael Fellmann: Wir haben die Möglichkeit gehabt, ein Praktikum zu machen und so habe ich auch gesehen, was mir nicht Spaß gemacht hat. Ich war z.B. mal in einem Kaufhaus in irgendeiner Abteilung und habe gesehen, das mir das keinen Spaß machen würde. Und dann war es natürlich auch mit dem Sport so eine Geschichte. Die Lehrer haben mich super auch mit dem Sport unterstützt. Sie haben mich auch mal freigestellt von der Schule, aber natürlich nur unter der Bedingungen, daß die schulischen Leistungen nicht darunter litten. Da war dann natürlich immer ein spezieller Ehrgeiz, das alles beides hinzukriegen.
Startblock: Wie haben Sie sich denn motiviert, das alles hinzukriegen?
Michael Fellmann: Ich habe mir immer schon Ziele gesetzt, auch als junger Mensch. Am Anfang waren es kleine Ziele. Ich wollte z.B. immer einmal bayerischer Meister im Segeln werden als ich noch in den Anfängen war. Und dann habe ich es dreimal geschafft, deutscher Meister zu werden und dann habe ich mir das nächste Ziel wieder gesucht, und das hat mir immer noch nicht gereicht. Mit meiner damaligen Freundin sitze ich 1988 vor dem Fernsehen und schaue mir die Olympischen Spiele an und habe zu meiner Freundin gesagt "Mensch, da will ich auch mal mitmachen".
Startblock: Sie haben sich also immer ein Zwischenziel gesucht und erreicht. Dann haben Sie sich ein neues Ziel gesetzt und das wieder erreicht.
Michael Fellmann: Ich habe es nicht immer gleich erreicht, aber man darf auch nicht gleich die Nase in den Sand stecken. Klar, man erreicht nicht immer gleich alles. Es ist immer ein sehr langer Weg zu Olympischen Spielen und es bedarf auch immer einer gewissen Entwicklung. Diese Erfolgsgeschichte motiviert einen dahingehend, daß man einfach wieder weiter macht und sagt "Mensch, habe ich das eine geschafft, dann kann ich das eine auch noch schaffen." So ist das ja auch mit Prüfungen in der Schule. Also, wenn man davon ausgeht, daß man mal eine Prüfung geschafft hat, dann steht nichts mehr im Weg, eine andere Prüfung auch genauso hinzukriegen.
Startblock: Sie würden auch sagen, daß man das analog später auf Schule und Ausbildung beziehen kann und daß man sich ein Ziel setzt und daran arbeitet und das Ziel vor Augen hat und sich dann immer weiter voran arbeitet?
Michael Fellmann: Das auf jeden Fall. Das kann man 1:1 übernehmen. Mit Sport und Ausbildung, das ist eigentlich so ziemlich das Gleiche, finde ich.
Startblock: Würden Sie denn sagen, daß die Tatsache, daß Sie jetzt eine Ausbildung gemacht haben, Sie ein wenig beruhigt?
Michael Fellmann: Also, ich habe mich auch jetzt umorientiert und habe ein neues Ziel nach den Olympischen Spielen. Ich bin ja noch Soldat bis 2009. Ich habe Maschinenschlosser gelernt und das ist so eine Geschichte, da bin ich einfach zu lange raus, da muss ich von Null anfangen.
Startblock: Ich habe gelesen, daß Sie einen Trainerschein machen wollen?
Michael Fellmann: Ja, also das ist das Diplomtrainerstudium. Ich habe jetzt zwei Bundesligalizenzen, die auch Voraussetzung sind für das Studium und das Studium ist jetzt also das was oben drauf kommt.
Startblock: Was würden Sie als zusammengefasst den Schulabgängern als "Message" mit auf den Weg geben?
Michael Fellmann: Also, ich war gestern eingeladen in Berlin bei dem Minister Struck und der hat einen guten Satz gesagt. Wir leben ja in einer Leistungsgesellschaft und wir werden nach Leistung immer gemessen. Es kommt zwar immer auch auf die einzelne Person an, aber die Leistung, die steht auch immer noch da und das ist wichtig. Vielleicht kann man als Message auch mitgeben, daß es sich absolut lohnt auch Leistung zu bringen, nicht nur für andere sondern auch für sich selber, weil es ein tolles Gefühl ist, wenn man sich anstrengt, etwas erreicht und weiß, daß es sich gelohnt hat, sich zu motivieren, weiterzugehen und nicht stehen zu bleiben.
Startblock: Herr Fellmann, wir danken Ihnen für dieses Interview und wünschen Ihnen auch weiterhin viel Erfolg und Gesundheit.
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