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Olympioniken zum Thema Leistung und Erfolg: Henning Fritz


Henning Fritz
Henning Fritz, Handball, Silber
Startblock: Herr Fritz, wie sind Sie zu Ihrem Sport gekommen?

Henning Fritz: Ein Schulfreund hat mich gefragt, ob ich nicht Lust am Handball hätte, und er hat mich dann mal mitgenommen. Ich hab's ausprobiert und gleich am ersten Tag daran Spaß gefunden.

Startblock: Wie alt waren Sie zu dem Zeitpunkt?

Henning Fritz: Ich war so acht oder neun Jahre alt, und am Anfang war das Training einmal in der Woche, also es war wirklich Spaß an der Freud.

Startblock: Gab' es da einen Moment an dem Sie gesagt haben, daß Sie Handball als Leistungssport machen wollen, oder sind Sie da eher "hineingerutscht"?

Henning Fritz: Das ist eher schleichend gekommen. Ich war zwar schon immer ehrgeizig was solche Sachen angeht, aber ich habe nie damit gerechnet. Und die Chance daß sich der Sport auch finanziell lohnt kam ja erst auch nach der Wende, weil zu DDR-Zeiten war es eben nicht der Fall daß man damit großes Geld verdienen konnte. Aber es gab halt immr die Motivation, das bestmögliche zu geben.

Startblock: Wenn Sie das so beschreiben, klingt Ihre Karriere fast ein wenig "spielerisch". Würden Sie im Rückblick sagen, daß es eine ziemlich harte Zeit war?

Henning Fritz: Wissen Sie, was soll man da immer groß jammern, welche Zeit ist nicht hart? Ich meine, eine Schulzeit ist hart, eine Ausbildungszeit ist hart, das Arbeitsleben ist hart, also ich glaube, wenn man irgendwo etwas erreichen möchte, ist es nie leicht. Aber für mich war das so, ich mußte es einfach machen. Für mich war es eine Auszeichnung, auf der Sportschule sein zu dürfen, und es ist heute immer noch eine Auszeichnung, dabei sein zu dürfen. Deswegen macht man sich da weniger Gedanken. Natürlich ist öfters die Situation da, daß man sagt es ist stressig hier und da, aber dafür wird man auch relativ gut entlohnt. Also, leicht ist heutzutage nichts, und deswegen möchte ich auch nicht außergewöhnlich jammern.

Startblock: Die Frage war auch deswegen so formuliert, weil sich beispielsweise im Zuge der ganzen Casting-Shows so ein wenig die Überzeugung eingebürgert hat, daß man einfach so über Nacht zum Star werden kann, und es würde ruck-zuck gehen ohne daß man etwas dafür tun müsste.

Henning Fritz: Ich glaube, daß diese Casting-Shows ein Spiegelbild unserer heutigen Gesellschaft sind, das kann man glaube ich ganz gut sagen. Die Leute, die richtig über Jahre hinweg Erfolg haben, die mussten dafür auch hart arbeiten. Ich lese beispielsweise gerade das Buch von Dieter Bohlen, und da merkt man schon, warum er besonders bei den jungen Menschen so ankommt. Die Leute können sich damit identifizieren, er hat eine große Klappe und verdient mit äußerlichem Schein viel Geld, was natürlich für die Jugendlichen erstmal schön ist. Das ist aber auch ein sehr schlechtes Bild, was man den Jugendlichen da vermittelt, daß man man von heute auf morgen zum Star werden könnte. Man gibt Ihnen also im Endeffekt eine Illusion die völlig unrealistisch ist.

Startblock: Sie sind nun offensichtlich der Illusion nicht auf den Leim gegangen und haben neben Ihrem Sport auch noch eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann absolviert.

Henning Fritz: In Magdeburg, wo ich die Sportschule besucht und auch meine Ausbildung absolviert habe, ist das schon sehr gut organisiert, und man kann da Ausbildung und Training gut kombinieren. Ich habe meine Ausbildung gemacht bei einem Sponsor, und b bin von dieser Seite auch sehr gut unterstützt worden, weil man besonders wegen der vielen Spiele in der Nationalmannschaft oft unterwegs war. Es ist natürlich auch notwendig wenn man Leistungsssport macht, seine Schule und seine Ausbildung zu haben, weil Leistungssport von heute auf morgen auch immer zuende sein kann. Deswegen ist eine Ausbildung auch absolut die Grundvoraussetzung. Ich kann vielleicht bis Mitte oder Ende 30 Handball spielen, aber es kann auch morgen vorbei sein.

Startblock: Wenn Sie aus welchem Grund auch immer mit dem Sport aufhören, könnten Sie sich denn vorstellen, weiter in Ihrem Beruf zu arbeiten?

Henning Fritz: Ich habe ja eigentlich keine große Berufserfahrung, weil ich nur meine Ausbildung gemacht habe und nach der Prüfung nicht mehr weitergearbeitet habe. Danach war ich Profi und habe seither nur von meinem Handball gelebt. Für mich war es eben wichtig, daß ich eine abgeschlossene Ausbildung habe, und die nötige Berufserfahrung müsste ich mir auch erst wieder aneignen. Wenn ich jetzt wirklich mit Handball irgendwann aufhören sollte, und habe gar nichts in der Hand, und will dann anfangen, dann ist es wirklich sehr spät.

Startblock: Was würden Sie als Fazit unseres Gesprächs jungen Menschen mit auf den Weg geben, die gerade über eine Ausbildung nachdenken?

Henning Fritz: Man sollte sich glaube ich erst einmal sehr intensiv darauf vorbereiten, weil die meisten haben erst einmal nur Träume wie den "Lokomotivführer" beispielsweise. Das heißt, man sollte sich schon sehr gut erkundigen, ob der Beruf einem dann auch wirklich Spaß macht. Und auch ganz wichtig ist, daß die Verdienstmöglichkeiten nicht an erster Stelle stehen sollten. Lieber einen Euro weniger in der Tasche haben aber dafür in dem Beruf aufgehen.

Startblock: Herr Fritz, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen noch weiterhin viel Erfolg und Gesundheit.

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