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Olympioniken zum Thema Leistung und Erfolg: Christian Keller


Startblock: Herr Keller, wie sind Sie zu dem Sport gekommen, den Sie heute ausüben?

Christian Keller: Über meine beiden Geschwister. Beide waren in einer Talentsichtungsgruppe in unserm Schwimmverein, und so bin ich als 5-jähriger zum Schwimmen gekommen.

Startblock: Wie hat sich denn dies so entwickelt daß Sie Leistungssport gekommen sind und letztlich an den Olympischen Spielen teilgenommen haben?

Christian Keller: Das war eigentlich nicht geplant, und ist eher mit der Zeit gekommen. Ein wichtiges Ereignis war sicherlich, als mein heutiger Trainer vor acht Jahren die Schwimmgruppe übernommen und mein Talent weiter gefördert hat. Damit hat sich auch mein Training intensiviert, und ich mußte beispielsweise dann auch mit dem Fußball aufhören. Und nachdem ich im Fernsehen Michael Gross in Seoul gesehen hatte, kam dann auch der Ehrgeiz und die Zielstrebigkeit, irgendwann auch mal an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Dann wurden die Erfolge weiter systematisch ausgebaut, und ich konnte das auch immer kombinieren, Schule und Sport. Die Schule hatte aber immer Priorität, denn ich wußte vom Schwimmen alleine kann man sich nicht ernähren, so schön das auch ist, und dann habe ich nach der Schule eine Ausbildung zum Bankkaufmann gemacht.

Startblock: Würden Sie sagen, daß bei dieser Doppelbelastung Sport und Ausbildung im Vergleich zu Ihren Altersgenossen auch auf vieles haben verzichten müssen?

Christian Keller: Es ist eine wahnsinnige Herausforderung beides zu koordinieren, und vor allem auch den süßen Seiten des Lebens zu widerstehen. Ich würde nicht sagen, daß ich etwas verpaßt habe, aber es ist schon mit sehr erheblichen Einschränkungen verbunden. Vor allem ist der Wahnsinn, die Disziplin über mehrere Jahre beizubehalten. Es ist ja keine Kunst, wenn man eine Woche lang mal schwimmen und arbeiten geht, aber das über mehrere Jahre durchzuhalten, erfordert schon viel Diziplin und Leistungsbereitschaft. Dazu muß auch das Umfeld stimmen, ich darf nur wahre Freunde haben, die zu mir stehen, das Elternhaus muß intakt sein, und ich muß gesund bleiben.

Startblock: Wenn Sie an Ihre Schulzeit zurückdenken, wie sind Sie damals unterstützt worden als es darum ging, einen Ausbildungsplatz zu suchen?

Christian Keller: Sowohl ich als auch mein Trainer hatten schon früh ein gutes Verhältnis zum Rektor unserer Schule. Der hat dann mit den Lehrern gesprochen, die mich dann auch in meinem Sport unterstützt haben. Ich bin dann teilweise vom Unterricht freigestellt worden, musste aber jede Klausur schreiben und jede Prüfung mitmachen, mir wurde also nichts geschenkt, worauf ich auch stolz bin.

Startblock: Würden Sie sagen, daß Ihre Ausbildung für Sie so etwas war wie ein Sicherheitsnetz? Ist es ein gutes Gefühl zu wissen, daß wenn man, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr aktiv Leistungsport betreibt, wieder in seinen Beruf zurückkann?

Christian Keller: Das ist mit Sicherheit richtig. Meine Ausbildung hatte bei mir Priorität, und mit einer Ausbildung ergeben sich natürlich auch Perspektiven. Gerade bei einer Amateursportart wie Schwimmen muss man immer noch schauen, daß Schule und die Ausbildung Vorrang hat, denn nichts ist so alt wie der Erfolg von gestern. Ich kann krank werden oder mich verletzen, dann stehe ich mit leeren Händen da. Und wenn ich mir dann nicht eine solide Basis geschaffen habe, kann ich Probleme bekommen. Wichtig ist auf jeden Fall eine solide Ausbildung bei einem guten Arbeitgeber der einen auch unterstützt.

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