Olympioniken zum Thema Leistung und Erfolg: Sandra Köppen
Sandra Köppen Ich habe mit 14 Jahren angefangen, also eigentlich recht spät. In der Schule habe ich Leichtathletik gemacht und so auch meine Schnellkraft trainieren können. Und da ich auch schon immer ein ruppiges und vorlautes Mädchen war, hat mich irgendwann mein Trainer herausgefischt und gefragt, ob ich mir nicht einmal Judo angucken möchte. Ich hab' mir das dann angeguckt und fand es total genial, überschüssige Kräfte auf legale Weise auf der Matte zu lassen. Man hat also Mann gegen Mann oder Frau gegen Frau gekämpft, und man konnte sehen, wie man mit seinen eignen Kräften umgehen kann und hat auch seinen eigenen Körper dadurch kennengelernt.
Startblock: Wie sind Sie dann in den Leistungssport "hineingerutscht"?
Sandra Köppen Ich habe am Anfang nur zweimal in der Woche trainiert, bin dann aber so senkrecht gestartet, daß mir die Gelegenheit gegeben wurde, daß ich viermal in der Woche trainieren konnte.
Startblock: Würden Sie sagen, daß damals als junger Mensch das Training viel Arbeit und Disziplin bedeutet hat?
Sandra Köppen Auf jeden Fall. Ich habe wahrscheinlich viel Talent in die Wiege gelegt bekommen, aber Talent heißt eben auch, daß man zwar die Fähigkeiten hat, man muß die aber dann noch umsetzen können. Ich habe dann nach der 10. Klasse die Schule gewechselt und dort auch Abitur gemacht. Das Abitur habe ich schon mit Leistungssport verbunden, was ziemlich schwierig war. Nach der Schule bin ich dann ins Sportzentrum gefahren, habe dort die Hausaufgaben gemacht und dann trainiert. Ich denke, daß es von dir selber kommen muß und daß man auch einstecken muß, wenn man an die europäische Spitze will. Dann kann man halt nicht am Wochenende bis open-end in der Disko hängen, und mit Freunden feiern, denn man trainiert ja um einen Höhepunkt in seinem Leben zu erreichen.
Startblock: Sie haben also im Gegensatz zu Ihrem Freundeskreis doch auf einiges verzichten müssen?
Sandra Köppen Sicher, wenn man Leistungssport macht, gerade auf unserer Ebene, dann muß man auch auf viele Dinge verzichten.
Startblock: Wie motivieren Sie sich, um jeden Tag "auf die Matte" zu gehen?
Sandra Köppen Ja, das ist schwierig. Zwischendurch kommt dann mal so eine Phase wo man sagt, man ist "judomüde" und diese Phase hat mein Trainer ausgenutzt um mir eine zweite Sportart vorzustellen, und da habe ich auch angefangen mit Sumo. Er hat es also ausgenutzt, daß es mal etwas anderes ist und für mich der Spaßfaktor auch da ist und nicht immer der Leistungsdruck.
Startblock: Nun sind Sie ja auch erfolgreich im Sumo, betreiben professionell Judo, haben trotzdem noch Zeit für Ihre Freunde und Familie, wie bringen Sie das alles unter einen Hut?
Sandra Köppen Das ist nicht einfach, und eigentlich habe ich auch erst in der letzten Zeit wieder daran gearbeitet, die ganzen alten Freunde wiederzusehen, weil es total wichtig ist daß dies nicht ins Hintertreffen gerät. Man darf nicht nur den Sport im Vordergrund sehen sondern man braucht auch Leute mit denen man sich unterhalten kann.
Startblock: Wenn Sie mal an die Zeit zurückdenken, als Sie die Schule beendet haben, wie wurde das Thema Berufsausbildung von Ihrem Umkreis gehandhabt?
Sandra Köppen Es gab damals so etwas in der DDR wie der heutige Laufbahnberater, und es wurde getestet, wozu man fähig ist, und wo die Zensuren einen hinbringen könnten. Mein Traum war damals, Physiotherapeut zu werden, das hat leider nicht geklappt weil es nach der Wende nicht so viele Plätze gab. Ich wollte aber unbedingt mit Menschen arbeiten und Menschen helfen, und so habe ich parallel zum Sport eine Ausbildung zur Arzthelferin gemacht. Von dort konnte ich auch viele Dinge in den Sport mitnehmen, wir haben zum Beispiel ‚Tape'-Lehrgänge gemacht. Mir war aber auch wichtig, daß ich nebenher meinen Sport weiter betreiben kann.
Startblock: Ihnen war also eine solide Berufsausbildung wichtig?
Sandra Köppen Unheimlich wichtig, und ich würde auch allen sagen: "Macht eine Ausbildung". Wenn ihr da acht oder zehn Jahre in Eurem Sport seid, wollt ihr mit 30 oder 35 dann auf der Schulbank sitzen und irgendwas lernen? Unsere Sportart ist eine Randsportart, und wir können niemals unser Geld damit verdienen, und niemand steht für uns da wenn wir uns verletzt haben und nicht mehr im Kader sind.
Startblock: Haben Sie sich schon einmal über die Zeit nach dem Sport Gedanken gemacht?
Sandra Köppen Ich würde entweder in meinem bisherigen Beruf weiterarbeiten, oder bei der Bundeswehr eine neue Ausbildung zu machen, für meinen Traumberuf Physiotherapeutin.
Startblock: Was würden Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben wollen, die sich im Übergang von der Schule zur Ausbildung befinden?
Sandra Köppen Man sollte auf jeden Fall alle Möglichkeiten nutzen, die es heutezutage gibt, um herauszufinden, für was man Interesse hat und was in meinen Möglichkeiten liegt. Das sollte man auf jeden Fall überprüfen, und dann auch nicht gleich aufgeben, wenn man nicht auf Anhieb einen Ausbildungsplatz bekommt.
Startblock: Frau Köppen, wir danken Ihnen recht herzlich für dieses Interview und wünschen Ihnen noch weiterhin alles Gute.
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