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Olympioniken zum Thema Leistung und Erfolg: Johannes Oesterling


Startblock: Herr Oesterling, wie sind Sie zu Ihrem Sport gekommen?

Johannes Oesterling: Ja, also ich bin von Haus aus sehr sportlich und habe schon relativ früh mit Sport angefangen, allerdings nicht mit Schwimmen sondern mit Leichtathletik. Dann hat mich so in der 3. Klasse jemand mal mitgenommen zum Schwimmen und ich habe das auch noch so nebenher gemacht. Dann gab es nochmal so eine Zeit, wo ich neben der Leichtathletik auch noch Badminton gemacht habe.

Startblock: Also mit anderen Worten, Sie waren bestens vorbereitet, ein sportliches Leben auch weiter zuführen.

Johannes Oesterling: Ja richtig. Ich habe das einige Zeit also alles gleichzeitig gemacht und es kristallisierte sich mit der Zeit dann heraus, daß Schwimmen das beste für mich ist und am meisten Spaß macht. Deswegen hat sich das dann später so verschoben, daß ich dann nur noch Schwimmen gemacht habe.

Startblock: Und wann haben Sie dann gemerkt, daß es Ihnen so wichtig wurde, daß Sie profimässig schwimmen wollten?

Johannes Oesterling: Es war so, daß ich mich also von ganzen unten so peu à peu hoch gearbeitet habe. So richtig bewusst geworden ist mir das eigentlich erst so um 1998. Da bin ich das erste Mal Deutscher Jahresmeister geworden über 200 m Freistil, und da fing dann irgendwie zum ersten Mal das große Umdenken an, daß da mal was Großes draus werden könnte.

Startblock: Hatten Sie in dieser Zeit Vorbilder und waren Ihnen diese wichtig als Motivation?

Johannes Oesterling: Ja, Vorbilder habe ich definitiv. Eigentlich habe ich zwei große Vorbilder. Das eine wäre Michael Groß, der ist ja der beste deutsche Schwimmer aller Zeiten und das zweite Vorbild wäre Alexander Popov. Das sind eigentlich so zwei verschiedene Typen. Also Michael Groß wäre einmal ein Vorbild, weil er seiner Zeit damals voraus war, so an Trainigsumfängen und eigener Motivation und Leistungsbereitschaft. Der war im Training schon der ganzen Welt voraus und Alexander Popov ist vom Charakter und von seiner Art zu schwimmen her schon ein Vorbild.

Startblock: Würden Sie sagen, daß nicht nur für Sportler, sondern für junge Menschen generell Vorbilder wichtig sind, um später etwas zu erreichen?

Johannes Oesterling: Das ist sehr unterschiedlich. Ich denke, daß jeder - auch wenn es teilweise ungewöhnlich ist - irgendwelche Vorbilder hat und sich an irgendwem orientiert. Es müssen ja nicht gleich irgendwelche wirklich großen Vorbilder sein. Es können ja auch kleine verschiedene Dinge an vielen verschiedenen Leuten sein, die man sich zum Vorbild nimmt. Der eine verdient vielleicht ganz gut, der andere lebt in einer glücklichen Ehe, der dritte hat ein schönes Haus oder so was. Also ich denke, da kann man sich an vielen Sachen so ein bisschen hochziehen und sich selber sagen, na, das möchtest du auch mal erreichen. So kann man denke ich viele Vorbilder haben.

Startblock: Ich gehe davon aus, daß, als es dann so richtig ernst wurde mit dem Schwimmen, Sie auch ordentlich haben trainieren müssen. Haben Sie auf vieles verzichten müssen, im Vergleich zu Ihren Altersgenossen?

Johannes Oesterling: Das kommt drauf an, was man so im Leben erwartet, bzw. was man dann rückblickend verpasst hat. Ich bin sicherlich nicht so oft am Wochenende in Discos oder auf Partys gegangen und habe mit Sicherheit viele Liter weniger Alkohol in mich hineingeschüttet. Aber man kann sagen, daß ich nichts verpasst habe. Ich habe mich genau so wie andere auch mal betrunken, das war dann aber meistens in den Ferien. Aber ich habe auch viele Partys gefeiert und bin ins Kino gegangen und habe auch viele Sachen gemacht, die andere Jugendliche auch gemacht haben. Natürlich nicht in der Häufigkeit. Und was ich verpasst habe, habe ich dann auch durch die anderen Dinge, die ich durch den Schwimmsport eben erreicht oder bekommen habe, sehr gut ausgleichen können.

Startblock: Einmal abgesehen von Sport und Freizeit, Sie waren ja auch in der Schule. Wie haben Sie das alle drei unter einen Hut bringen können?

Johannes Oesterling: Mir war definitiv klar, daß ich Abitur machen wollte, und ich habe das einerseits alles geschafft durch meine Eltern und meine Familie, die mich unterstützt hat, ganz egal in welchem Bereich, sportlich oder auch schulisch, und zweitens eben durch Disziplin. Also ich muß sagen, daß ich in der Schule nicht der begnadetste Schüler war. Ich habe das immer so gehandhabt, dass ich keine besonders gute Noten hatte, aber immer so daß ich es geschafft habe. Das Schwimmen habe ich um die Schule so "herumgewickelt", was dann natürlich auch irgendwann bedeutet hat, daß ich Schwimmtraining hatte von halb sechs bis halb acht und dann im Prinzip in die Schule gefahren bin. Und dann nach der Schule wieder direkt ins Training und danach sofort ins Bett gefallen. Das war teilweise wirklich schon sehr schwer, vor allem in der Zeit während des Abiturs. Da hatte ich dann wirklich daran zu knabbern.

Startblock: Ist es für Sie wichtig, einen Plan B zu haben oder ein Sicherheitsnetz, falls es mit dem Sport nicht mehr klappt?

Johannes Oesterling: Ja, das ist es. Ich wusste immer, daß Schwimmen und Sport immer nur solange gut ist, solange es auch gut läuft und Schwimmen so grundsätzlich nicht die Sportart ist, wo man wirklich topreich werden kann, außer vielleicht die ein, zwei Topathleten die es in Deutschland gibt. Deshalb war für mich auch immer klar, daß das Abitur eben sein muss und ich danach auch immer etwas nach dem Schwimmen machen werde, was mich im Leben so ein bisschen weiter bringt. Mit anderen Worten, daß ich mich nicht komplett auf Sport fokussiere und wirklich Profi werde und nur vom Sport lebe, sondern daß es nebenher immer etwas geben muss, was mich einerseits beruflich weiterbringt und mich beim Schwimmen auch etwas audgleicht. Wenn man glaube ich einfach irgendwann nur noch schwimmt, fängt man an langsam etwas dumm im Kopf zu werden. Für mich wäre das einfach nichts. Deshalb musste ich und will ich nebenher auch immer etwas machen, was mich so ein bisschen weg bringt vom Schwimmen.

Startblock: Zur Zeit arbeiten Sie als Redaktionsassistent. Was sagen Sie zum Thema Beruf und Ausbildung?

Johannes Oesterling: Hauptsächlich wegen des Sports bin ich nach Wuppertal gezogen. Hier habe ich jetzt eigentlich das Ziel bzw. hier möchte ich studieren oder ich werde mich in dem Mediensektor versuchen, weiterzuorientieren und weiter bei einer Zeitung zu arbeiten. Aber es gibt ja durchaus hier im Gebiet mehrere Möglichkeiten, auch anders im Mediensektor tätig zu werden. Im Bereich Rundfunk und Fernsehen höre ich mich im Moment ein wenig um.

Startblock: Was würden Sie Abschlussschülern, die kurz vor dem Abschluss ihrer Schullaufbahn stehen, raten? So als Motto oder Message vielleicht?

Johannes Oesterling: Ich denke, daß man den Abschluss so gut wie möglich durchziehen sollte und daß man sich konsequent nach einen Ausbildungsplatz umsehen sollte Ich finde allerdings auch, daß es heutzutage sehr wichtig ist, daß man flexibel ist. Also ich glaube, daß es nicht sehr ratsam ist, daß man sich so auf einen Weg, den man sich so vornimmt, versteift. Wenn man unterwegs vielleicht merkt, daß es nicht so läuft, wie man es gerne hätte, dann sollte man auch irgendwie neue Schritte wagen und dann doch was anderes machen. Man sollte einerseits sehr flexibel sein und andererseits auch sehr konsequent.

Startblock: Herr Oesterling, vielen Dank für dieses Gespräch, und weiterhin viel Erfolg und Gesundheit für Ihre Zukunft.

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